27. Mai 2026
Der Foundation Award begleitet seit 2010 junge Schweizer Architekturbüros beim Einstieg in die Praxis und zeichnet ihre aussergewöhnlichsten Projekte aus. Mit dem Foundation Award Junior erweitert die Vectorworks Switzerland AG dieses Konzept in diesem Jahr erstmals auf den Ausbildungsbereich. Der kleine Bruder des bekannten Wettbewerbs zeichnet Arbeiten von Lernenden und Studierenden aus, die während ihrer Ausbildung eigenständige räumliche Ideen entwickeln und diese in ihren Entwürfen präzise und sorgfältig formulieren.
Vectorworks Switzerland vergibt in den drei Schweizer Ausbildungsgängen im Bereich Architektur jeweils ein Preisgeld von 1’000 Franken, also in den Kategorien Zeichner:in, Bachelor und Master. Einer Jury aus Praxis und Lehre wählt die prämierten Arbeiten aus, die öffentlich präsentiert werden. Der Award macht die spannendsten Projekte eines Ausbildungsjahrgangs sichtbar, indem er den Teilnehmenden ausserhalb der eigenen Schule oder Hochschule eine Plattform bietet.
Der Wettbewerb richtet sich an Personen in Ausbildung, deren Projekte mit Vectorworks entwickelt wurden. Viele der diesjährigen Arbeiten zeigen, wie viel architektonische Qualität bereits vor dem Berufsalltags entsteht: auf der Schulbank, im Studio, in Modellräumen während langer Nächte kurz vor der Schlussabgabe. Auffällig ist weniger ein gemeinsamer Stil als eine gemeinsame Haltung. Die besten Projekte reagieren präzise auf Orte, untersuchen bestehende Strukturen, entwerfen neue Wohnformen oder setzen sich mit Arbeitswelten auseinander. All das ist verbunden mit einer hohen, darstellerischen Qualität. Zeichnungen und Modelle dienen nicht einfach der Präsentation. Sie sind selbst ein Werkzeug des Denkens.
Kategorie Zeichner:in
1. Rang: Jan Mühlebach, «Porta»
Das Projekt «Porta» untersucht eine Architektur, die Beweglichkeit und temporäre Nutzung nicht versteckt, sondern bewusst sichtbar macht. Die Anleihen an die Containerarchitektur vermitteln laut Jury den Eindruck eines Gebäudes, «als ob es ohne grosses Federlesen an einen anderen Platz versetzt werden könnte». Das passt zum Thema des Projekts, das sich am Leben von Surferinnen und Surfern orientiert. Nicht starr und beständig, sondern unstet und ständig in Bewegung. Trotzdem bleibt der Entwurf nicht bei einer atmosphärischen Idee stehen. Die flexible Holzbauweise erlaubt spätere Erweiterungen und reagiert damit direkt auf die Nutzung.
Gleichzeitig zeigt das Projekt eine hohe Präzision in der Darstellung. Modellstudien, Zeichnungen und Konstruktion greifen ineinander und machen den Entwurfsprozess nachvollziehbar. Die Jury hebt hervor, dass hier «nicht einfach eine abgehobene Vision ohne Bezug zur Wirklichkeit» formuliert wird.
Kategorie Bachelor
1. Rang: Benjamin Rytz, «Of centers and peripheries»
Das Siegerprojekt der Bachelor-Kategorie reagiert auf ein Grundstück im historischen Dorfkern von Oberwil. Statt die Parzelle möglichst dicht zu bebauen, schlägt der Entwurf vor, die bestehende Obstwiese zu erhalten und zum räumlichen Zentrum des Projekts zu machen. Ein langgestreckter Holzbau steht entlang dieses Freiraums und bildet gemeinsam mit den bestehenden Häusern ein neues Ensemble. Trotz seines grossen Massstabs wirkt das Gebäude zurückhaltend. Balkonschichten, Stelzenkonstruktion und Dachform reagieren direkt auf die Umgebung und schaffen unterschiedliche Übergänge zwischen Innen- und Aussenraum.
Interessant ist, wie viel räumliche Qualität aus einfachen Mitteln entsteht. Was zunächst wie ein klassischer Laubengangtypus wirkt, entwickelt bei genauerem Hinsehen eine überraschende Grosszügigkeit. Kleine Elemente wie Einbauten, Waschbecken oder Simse verwandeln Erschliessungsflächen in gemeinschaftlich nutzbare Aufenthaltsräume. Wohnungen lassen sich verbinden oder trennen und reagieren damit auf wechselnde Wohnformen.
Die Jury würdigt zudem die sorgfältige Ausarbeitung des Projekts. Konstruktion, Proportionen und grafische Darstellung bilden ein stimmiges Ganzes. Besonders hervorgehoben werden die «atmosphärisch dichten Plandarstellungen» sowie die sorgfältig gezeichneten Details bis hin zu Baumwurzeln und Bepflanzungen.
Anerkennungen Bachelor
«Leefcirkel – a timber adaptative office-housing in the Netherlands»
Pierre Curci, Matteo Bourdin, Ezekiel Bürki und Gustavo Killer
Die Jury zeichnet das Projektteam für seine überzeugende Auseinandersetzung mit zirkulärem Bauen aus. Hervorgehoben werden die Verbindung von technischer Präzision, architektonischer Qualität und visueller Darstellung.
«Hüsli zum Garten»
Lars Hug
Abseits aktueller Architekturtrends entwickelt die Arbeit einen feinfühligen Umgang mit bestehender Dorfstruktur. Die Jury würdigt die sorgfältig komponierten Ansichten und die ruhige, konsistente Ausarbeitung.
«Oberwil Ensemble»
Anna Manser
Das Projekt entwirft abgestufte Räume für gemeinschaftliches Leben im Dorfkern. Zwischen öffentlichem Raum, gemeinsam nutzbaren Wohnbereichen und intimen Rückzugsorten entsteht ein differenziertes räumliches Gefüge.


Kategorie Master
1. Rang: Stefan Gross, Florian Meissner und Jonty Tolleson, «Akupunktur Binzmühle»
Das Gewinnerprojekt der Master-Kategorie beschäftigt sich mit neuen Arbeitswelten innerhalb eines transformierten Industriebaus. Ausgangspunkt ist die Frage, welche räumlichen Rituale in einer zunehmend digitalen Gesellschaft weiterhin physische Orte benötigen. Mit drei gezielten architektonischen Eingriffen entstehen neue Möglichkeitsräume innerhalb der bestehenden Struktur. Der Entwurf arbeitet mit Referenzen an High-Tech-Architektur und strukturalistische Konzepte der 1970er- und 1980er-Jahre, entwickelt daraus jedoch eine eigenständige formale Sprache. Die Jury beschreibt eine «gänzlich eigene, formale Welt, in die man lustvoll eintauchen möchte».
Besonders stark ist die Art der Darstellung. Die Zeichnungen dienen nicht nur der technischen Erklärung, sondern erzeugen Atmosphäre und räumliche Dichte. Unterschiedliche Darstellungsformen greifen ineinander und vermitteln eine eigenständige visuelle Identität, die sich bewusst von standardisierten 3D-Renderings absetzt.
Gerade darin zeigt sich eine Qualität vieler eingereichter Arbeiten: Die Darstellung erklärt nicht nur das Projekt, sondern transportiert auch dessen Haltung. Die Jury beschreibt die Arbeit als «auf allen Ebenen stringent und poetisch erzählt».

Stefan Gross, Gewinner Kategorie Master Foundation Award Junior 2026

Anerkennung Master
«Dazwischen»
Jean Waeber
Die Jury würdigt die intensive Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes sowie die sorgfältige Durcharbeitung der umfangreichen Abschlussarbeit.

Der erste Foundation Award Junior macht Arbeiten sichtbar, die sonst oft innerhalb von Hochschulen oder Ausbildungsstätten bleiben würden. Die ausgezeichneten Projekte zeigen unterschiedliche Ansätze, Massstäbe und Themen, verbinden aber alle eine ernsthafte und präzise Auseinandersetzung mit Architektur, Konstruktion und Darstellung. Das Team von Vectorworks Switzerland gratuliert allen Preisträgerinnen und Preisträgern und wünscht ihnen viel Erfolg auf ihrem weiteren beruflichen Weg.