Neubau, Umbau und Sanierung bei laufendem Betrieb

Graber Pulver plant das Regionale Pflegezentrum Baden mit Vectorworks

Im Regionalen Pflegezentrum Baden wird rund um die Uhr gepflegt, wie gewohnt. Daran ändert die Baustelle nichts. Während die Bauleute drei neue Trakte hochziehen, das denkmalgeschützte «Palace» sanieren und die «Résidence» umbauen, betreibt die Bauherrschaft weiterhin rund 150 Betten. Graber Pulver Architekt:innen AG musste also nicht nur ein Haus entwerfen, sondern auch die Reihenfolge, in der es entsteht.

2018 gewann das Büro aus Zürich und Bern den selektiven Studienauftrag. Die Jury entschied sich einstimmig für den Entwurf «Small world», der sich gegen fünf weitere Generalplanerteams durchsetzte. Graber Pulver ist seither verantwortlich für die Architektur und leitet als Generalplaner ein Team, das vom Baumanagement über Bauingenieure und Gebäudetechniker bis zu Landschaftsarchitektur, Bauphysik, Licht-, Brandschutz- und Verkehrsplanung reicht. 2023 rollten die Bagger an, Anfang 2028 soll das Regionale Pflegezentrum Baden fertig sein. Das Projekt kostet 160 Millionen Franken und umfasst gut 50'000 Quadratmeter Geschossfläche.

Gipsmodell Regionales Pflegezentrum Baden von Graber Pulver

Drei Bauweisen greifen dabei ineinander. Die Architekt:innen bauen neu, sie bauen um, und sie sanieren. Eine «Rue Intérieure» verbindet die neuen Trakte mit den historischen Bauten und führt als innere Gasse durch das Ensemble. Weil der Betrieb weiterläuft, musste das Team von Beginn an klären, welche Abteilung wann wohin zieht. Jede Etappe muss Zimmer, Wege und Eingänge hinterlassen, die funktionieren.

Was in Baden entsteht

Künftig stehen im Pflegezentrum rund 300 Pflegebetten bereit, unter anderem für Menschen mit Demenz, für Gerontopsychiatrie, Palliative Care, Schwerstpflege sowie für jüngere Bewohnende und Agogik. Dazu kommen Alterswohnungen, Therapieräume, ein Selbstbedienungsrestaurant, eine Großküche und eine Wäscherei. «Small world» ist eigentlich ein «Dörfli» mit Läden und Bäckerei. Der Saal, die Kita, Spielplatz, Park und Tiergehege öffnen das Areal für das Quartier. Die Landschaftsarchitektur von Krebs und Herde setzt die Neubauten bereits im Wettbewerb so, dass möglichst viele alte Bäume stehen bleiben.

Wie das Team digital plant

Graber Pulver beschäftigt sich seit 2015 mit BIM und führt dafür ein eigenes Ressort. Baden gehört zu den ersten Großrojekten, die das Büro durchgehend nach dieser Methode mit Vectorworks Architektur bearbeitet. Wie sie zu Beginn dabei vorgegangen sind, erzählen Daniel Jaeglé und Joanna Wosiek im Vortrag «BIM-Grossprojekt ‹Small World›» in der Reihe BIM im klarTEXT.

Sie begannen nicht mit Wänden und Decken, sondern mit einem einfachen Volumenmodell. Farben zeigten, wie hoch die Geschosse werden, wie viele es sind und was verschwindet. Erst als klar war, wie sich das Areal gliedern lässt, baute das Team die eigentliche Struktur auf. Sie folgt dem Haus und seinen Nutzungen: Pflegegebäude, Alterswohnen, «Palace» und Kapelle bilden eigene Bereiche, und im Pflegegebäude trennen die Planenden die Pflegegeschosse von Erdgeschoss und Untergeschossen, wo die öffentlichen Nutzungen und die Technik liegen. So arbeiteten zehn Leute in Vectorworks Architektur gleichzeitig am Projekt, ohne sich in die Quere zu kommen. Ein gemeinsamer Nullpunkt hielt alles zusammen.

Aus den Volumen wurden mit der Zeit intelligente Bauteile. Das Modell wusste immer mehr über sich selbst. Raumdaten pflegte das Team über Tabellen ein. Als Dokumentation fanden sie wieder zurück ins Modell. Daraus leiten die Architekt:innen Grundrisse ab, werten Flächen aus und exportieren IFC-Dateien für die Fachplanenden. Ob die Informationen an den richtigen Bauteilen hängen, prüfen sie visuell im Modell. Vectorworks hat diesen Bereich seither ausgebaut. Der Datenmanager in Vectorworks 2026 übersetzt IFC-Daten heute automatisch zwischen verschiedenen IFC-Versionen.

 

 

Umbauplanung in Vectorworks Architektur

Wer im Bestand baut, plant nicht nur einen Zustand, sondern mehrere. Seit Vectorworks 2026 steht für solche Planungen das Phasensystem zur Verfügung. Auf einer Zeitachse legen Sie fest, wann ein Objekt entsteht und wann es wieder verschwindet. Vectorworks erkennt daraus selbst, was Bestand ist, was neu gebaut und was abgebrochen wird. Bestand, Rückbau und Neubau liegen in einer Datei, ohne dass Sie aufwendige Klassenstrukturen erfinden müssen. Abbruchplan, Umbauplan und Endzustand entstehen, indem Sie die Phase umschalten, und die Datenvisualisierung färbt die Bauteile passend ein. Als das RPB-Projekt 2018 startete, gab es diese Möglichkeit noch nicht. Man kann davon ausgehen, dass heute das Team ein Projekt wie jenes in Baden mit diesem System beginnen würde.

Tag der offenen Tür

Am 26. September 2026 öffnet das Regionale Pflegezentrum Baden von 10 bis 16 Uhr seine Türen. Besucherinnen und Besucher sehen die neuen Räume, besichtigen Alterswohnungen, kommen mit Fachleuten ins Gespräch und essen beim «Limmat Rechts». Die Kita organisiert ein Kinderprogramm mit Malwettbewerb.

Alle Visualisierungen: Graber Pulver / maaars visualisierungen

 


Daniel Jaeglé und Joanna Wosiek, Graber Pulver Architekt:innen AG, sprechen in «BIM-Grossprojekt ‹Small World›» über Struktur und Daten im Projekt. Aufzeichnung ansehen, 26 Minuten.