Mehrfenstertechnik richtig nutzen in Vectorworks

Mehrfenstertechnik ist nicht science fiction, sondern Gegenwart

Science Fiction ist die Mehrfenstertechnologie schon lange nicht mehr. 2017 wurde in Vectorworks die Möglichkeit eingeführt, mehrere Ansichtsfenster gleichzeitig geöffnet zu haben. Und inzwischen ist die Funktion auch gut ausgebaut und ausgereift. Mit Erscheinen von Version 2026 von Vectorworks ist die Anordnung und Ausrichtung von Ansichtsfenstern einfacher und intuitiver denn je. Der kleine Würfel unten links macht's möglich.

Dennoch scheinen viele Anwenderinnen und Anwender die Mehrfenstertechnologie nur aus Filmen zu kennen, die in der Zukunft spielen. Sie selbst arbeiten nach wie vor nur in einer Ansicht. 

Das ist schade. Denn hier verschenken sie viel Potenzial.

Worum es bei der Mehrfenstertechnik geht

Vereinfacht gesagt: Die Mehrfensterarbeit lohnt sich immer dann, wenn Sie ständig zwischen zwei oder mehr Ansichten hin‑ und herschalten. Also zwischen Grundriss ↔ 3D, Schnitt ↔ Modell, Modell ↔ Layout usw.

Das klassische Beispiel: Sie entwerfen im Grundriss und wollen im Modell kontrollieren, ob alles stimmt. Mit einem Ansichtsfenster müssen Sie entweder ständig zwischen den Ansichten hin- und herwechseln. Oder Sie tun das nicht so häufig und riskieren dann, Fehler zu übersehen. 

Dabei geht es so einfach: Teilen Sie stattdessen einfach das Zeichenfenster mit dem Befehl "Mehrere Ansichtsfenster verwenden". Links ist der Grundriss, rechts wird das 3D‑Modell angezeigt. Der Grundriss bekommt zwei Drittel der Zeichenfläche, denn hier wollen wir arbeiten. Das Modell ein Drittel. Sie setzen ein Fenster im Grundriss ein. Ein kurzer Blick nach rechts. Sie sehen das Fenster im Modell, live. Kontrolle der Höhe des Fensters. Alles in Ordnung, weiter geht's. So sparen sich nicht nur sehr viele Klicks für einen Ansichtswechsel. Auch die ständige Ablenkung fällt weg. Sie arbeiten flüssiger und mit weniger Unterbrüchen.

Mehrfenstertechnik hat viele Vorteile

Hat die Sache einen Haken?

Ja, einen kleinen. Zwei sogar. Erstens: Ein geteilter Bildschirm braucht Platz. Auf einem 13‑Zoll‑Laptop wird es eng. Ein großer Monitor hilft. Zwei sind noch besser.

Zweitens: Mehrere Ansichten benötigen etwas mehr Rechenleistung. Auf älteren Rechnern kann sich das in einer etwas geringeren Arbeitsgeschwindigkeit bemerkbar machen. Auf aktuellen Systemen ist das jedoch kein Thema. Jeder neuere Rechner kommt mit der Mehrfensternutzung problemlos zurecht. 

Zwei Ansichten in Sekunden einrichten

Das Ganze ist im Handumdrehen eingerichtet. Und genauso schnell auch wieder beendet:

  1. In der Zeichnung wählen Sie im Menü Ansicht > Ansichtsfenster > Mehrere Ansichtsfenster verwenden. Oder drücken Sie einfach Q.
  2. Das Fenster ist jetzt in vier Bereiche geteilt.
  3. Unten in der Mitte von jedem Bereich können Sie den Bereich nochmals vertikal oder horizontal teilen oder den Bereich einfach schließen.
  4. Stellen Sie nun in den Bereichen die gewünschten Ansichten ein, z. B. eine 2D‑Draufsicht und eine isometrische 3D‑Ansicht. Feintuning auf Wunsch erfolgt mit dem schon erwähnten kleinen Ansichtswürfel unten links im Fenster.

Mehr braucht es nicht, um loszulegen.

Mehrfenstertechnik in Vectorworks

Fünf Alltagssituationen, in denen Mehrfensterarbeit glänzt

Es gibt unzählige Situationen, in denen es sinnvoll ist, in mehreren Fenstern zu arbeiten. Alles in allem ist es wahrscheinlich fast immer sinnvoll, ein zweites oder drittes Fenster mit einer anderen Ansicht geöffnet zu haben. Aber um eine Vorstellung zu vermitteln, wie man damit arbeitet, haben wir die typischsten fünf Situationen zusammengestellt. Sie funktionieren für verschiedene Branchen, in denen mit Vectorworks geplant wird: Architektur, Gartenbau, Landschaftsarchitektur, Innenausbau, Schreinerei, Entertainment, Bühnenbau usw. 

1. 2D/3D parallel im Blick

Links der Grundriss, rechts eine isometrische 3D‑Ansicht. Sie zeichnen oder schieben Wände im Grundriss und sehen im 3D‑Fenster sofort, wie sich das Modell verändert. 

Ein typisches Problem, das Sie umgehen: Sie setzen Fenster und Türen in Ihren Grundriss ein, nehmen einige kleine Anpassungen vor. In 2D sieht eine Änderung harmlos aus. Erst in 3D bemerken Sie, dass die Höhe des Fensters falsch ist oder die Raumhöhen nicht mehr stimmen.

Mit zwei Ansichtsfenstern fällt das sofort auf. Keine Bauteile auf der falschen Höhe mehr.

Mehrfenstertechnik mit 2D- und 3D-Ansicht

2. Schnitt  und Modellkontrolle

Ein Fenster zeigt einen Schnitt, das andere das 3D‑Modell. Sie passen im Modell Gelände, Bodenaufbauten oder Anschlusshöhen an. Parallel im Schnitt sehen Sie sofort, ob Terrassen, Treppen oder Böschungen im Bereich der Schnittlinie wirklich funktionieren.
So vermeiden Sie unangenehme Überraschungen, wenn das Modell später für Visualisierungen, Mengen oder für die Ausführungsplanung verwendet wird.

Mehrfenstertechnik mit Schitt, Modell und Grundriss

3. Detaillieren, während das Rendering läuft

Sie starten ein hochauflösendes Rendering. Mit der Mehrfenstertechnik lassen Sie das Rendering in einem Fenster durchlaufen. Den Fortschritt des Renderings haben Sie laufend im Blick. Im anderen Fenster arbeiten Sie weiter: Grundriss ergänzen, Möbel verschieben, Details verfeinern. Was halt getan werden muss. Sie verlieren keine Zeit.

4. Unterschiedliche Darstellungsarten nebeneinander

Ein Fenster zeigt das Modell. Das andere eine Datenvisualisierung. Sie Modellieren und kontrollieren parallel Materialien, Umbauphasen wie Bestand und Abbruch, Brandschutzklassen, Höhen oder Geländestufen in der Datenvisualisierung.

So merken Sie früh, ob Bauteile falsch klassifiziert sind, den korrekten Status aufweisen oder ob Schalen und Materialien sauber zugewiesen wurden.

Mehrfenstertechnik und Datenvisualisierung

 5. Layout- und Konstruktionsebene gleichzeitig

Sie modellieren auf der Konstruktionsebene und haben bereits mehrere Ansichtsbereiche für den Plan erstellt. In einem Fenster arbeiten Sie in 3D am Modell. Im anderen sehen Sie direkt den fertigen Plan‑ Ansichtsbereich. Ändern Sie Wände, Fenster oder Beschriftungen, erkennen Sie sofort, wie sich Maßstab, Lesbarkeit und Planaufbau verändern.

So halten Sie Pläne aktuell und vermeiden veraltete Ausdrucke oder PDF-Pläne, die nicht mehr zur Geometrie passen.

So weit unsere fünf Beispiele. Sie sehen, es geht fast immer darum, die Korrektheit von Bearbeitungen in einer anderen Ansicht zu überprüfen. Denn Kontrolle ist gut. Mit Mehrfenstertechnik noch besser. Wenn Sie wissen, in welcher Ansicht Sie die Folgen der Gestaltung, die Sie gerade vornehmen, am besten sehen können, kennen Sie die Einstellung Ihres zweiten oder dritten Ansichtsfensters. Mehrfenstertechnik ist kein Luxus‑Feature, sondern ein Tool, das Fehler vermeidet und den Kopf frei macht. Einmal daran gewöhnt, fühlt sich ein Einzelfenster schnell an, als müssten Sie mit nur einem Auge zu planen.