Ressourcen werden knapper, der Bestand wächst, gleichzeitig entstehen neue Werkzeuge und Denkweisen. Wie gehen gerade jüngere Architektinnen und Architekten in der Schweiz mit diesen Herausforderungen um? Eine Antwort liefert der aktuelle Foundation Award 2026. Die Projekte der Gewinner und nominierte Büros zeigen, wie darauf reagiert wird und wie junge Büros Position beziehen.
Ausgezeichnet wurden Projekte in den drei Kategorien "Gebaut", "Ungebaut" und "Innovation". Gemeinsam ist den Gewinnerbüros weniger ein Stil als eine klare Haltung zum Weiterbauen, zum Umgang mit Ressourcen und zu den Möglichkeiten der Planung.
Gebaut: Präziser Umgang mit Bestehendem
Mit dem 1. Rang wurde Sanchez Morgillo mit ihrem Projekt Gemeindehaus in Frutigen ausgezeichnet. Es zeigt einen differenzierten Umgang mit dem Bestand. Der Nachkriegsbau wird nicht ersetzt, sondern weitergedacht: saniert, verstärkt und mit zwei vorgefertigten Holzgeschossen ergänzt. Sanchez Morgillo nehmen bestehende Elemente auf, ordnen sie neu und ändern subtil. Das Projekt setzt im ganz Alltäglichen an und entwickelt daraus architektonische Qualität.
In der Kategorie "Gebaut" wurde ausserdem das atelier tsu nominiert mit seinem Atelierhaus in Fukuoka. Koichiro Tsuchiya stellt sich mit einem begrenzten Budget gegen die Dominanz standardisierter Wohnbauten in Japan. Er baut ein individuelles Haus, das industrielle Bauteile neu interpretiert und mit handwerklicher Präzision kombiniert.
Ebenfalls mit einer Nomination wurde das Studio ne ausgezeichnet. Das Büro zeigt mit dem Umbau der Siza-Halle und der Sanierung des Fotostudios Frei exemplarisch, wie sich ikonische Architektur weiterbauen lässt, zurückhaltend, respektvoll und dennoch eigenständig in der Umsetzung.
Alle Projekte der Kategorie „Gebaut“ im Detail
Ungebaut: Zirkularität als Entwurfsprinzip
In der Kategorie „Ungebaut“ kann man sich mit Projekten bewerben, die voraussichtlich nie umgesetzt werden, so wie die Erweiterung der Berufsschule Bülach. Das Büro nuar hat mit diesem und zwei weiteren Wettbewerbsprojekten in Wil und Zuoz den 1. Rang gewonnen. Die drei Projekte verfolgen unterschiedliche Strategien. Nuar entwickelt mit Hilfe von Low-Tech-Konzepten über hybride Bauweisen bis hin zur Integration wiederverwendeter Bauteile eigenständige architektonische Lösungen.
Einen radikalen Ansatz wählte das Basler Büro Parabase, das eine Nomination erhielt. Das Projekt der Siedlung Elementa oder das Apartmenthaus in San Bernardino verstecken die Wiederverwendung nicht. Sie prägt den Ausdruck und die Konstruktion direkt. Auch hier wird konsequent aus den vorhandenen Ressourcen gearbeitet.
Alle Projekte der Kategorie „Ungebaut“ im Detail
Innovation: Modelle verändern Entscheidungen
„Innovation“ ist die offenste Kategorie des Foundation Award. Hier finden nicht nur Gebäude Platz, sondern auch Konzepte, Denkmodelle oder künstlerische Perspektiven.
Gewonnen hat Malheur und Fortuna mit einem Beitrag zur bestandsorientierten Stadtentwicklung. Das digitale Modell eines Basler Stadtteils analysiert graue Energie, identifiziert Entwicklungspotenziale und macht sichtbar, wo gesetzliche Rahmenbedingungen Anpassungen brauchen. Damit wird Planung zu einem steuerbaren, datenbasierten Prozess.

Nominiert ist Xenia mit einem künstlerischen Ansatz: Temporäre, oft fragile Installationen auf verlassenen Orten schaffen neue Perspektiven auf Raum, Nutzung und gesellschaftliche Prozesse. Architektur wird hier zum Mittel der Reflexion und Begegnung.
Alle Projekte der Kategorie „Innovation“ im Detail
Was auffällt
Drei Brücken verbinden die Projekte: Der Bestand ist eine zentrale Ressource. Zirkularität wird konkret umgesetzt statt nur diskutiert. Und neue Werkzeuge verschieben den Fokus von der Darstellung hin zur Entscheidungsfindung. Auffällig sind die gewählten Perspektiven. Viele Projekte präsentieren sich zurückhaltend. Im Zentrum steht das klare Verständnis für den Kontext. Das ist weniger spektakulär, aber nachhaltiger in der Wirkung.
Jury und Kontext
Der Foundation Award 2026 zeigt kein einheitliches Bild der jungen Architekturszene Schweiz. Die Beiträge vermitteln den Eindruck eines Feldes in Bewegung. Zwischen Weiterbauen, Ressourcendenken und neuen Werkzeugen entsteht eine Architektur, die sich weniger über Form definiert, sondern stärker über ihre Haltung.
Der Foundation Award wird seit 2010 von ComputerWorks ausgelobt. Die Jury setzt sich aus Fachleuten aus der Architekturpraxis, Lehre und Fachpublizistik zusammen. Unter dem Vorsitz von Judit Solt, Architektin ETH SIA und Chefredaktorin von TEC21 gehören der Jury des diesjährigen Preises Friederike Kluge an, Professorin für Analyse, Entwurf und Konstruktion an der FHNW in Muttenz, Daniel Schneider, Architekt ETH, sowie Abigail Stoner, Architektin und Gründungsmitglieder von Schneider Stoner Architects.