Damrau Kusserow

Großprojekte im kleinen Büro

Ein 40-Millionen-Euro-Projekt. 4 Personen. 10 Jahre. 

Mit dem Langhaus Braunsfeld beweist das Kölner Büro Damrau Kusserow Architekten, dass große Architektur nicht von Teamgröße abhängt. Das Erfolgsrezept: Der Mut neue Wege zu gehen und eine CAD-Software, die Flexibilität und Projektsharing über alle Leistungsphasen hinweg möglich macht.

Damrau Kusserow
Vom unbebaubaren Grundstück zum innovativen Wohnkonzept

Als Gewinner der Entwurfswerkstatt ZUKUNFT WOHNEN – Weiterentwicklung von Bestandssiedlungen in Köln, wurden Damrau Kusserow Architekten von der gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft eG DIE EHRENFELDER mit der Planung des Projekts „Langhaus Braunsfeld“ beauftragt. 

Die Ausgangssituation war alles andere als einfach: ein nur 20 Meter schmales Grundstück, direkt neben dem Betriebshof der Kölner Verkehrsbetriebe, mit Lärmbelastungen von bis zu 120 Dezibel. Das Grundstück galt lange als nicht bebaubar. Alle 75 Wohnungen und 11 Gewerbeeinheiten verfügen deshalb über besondere Lärmschutzgrundrisse, da an drei Gebäudeseiten wegen Gewerbelärm keine öffenbaren Fenster in Aufenthaltsräumen zulässig sind.

Die Basis des Projekts bildet das lebendige Erdgeschoss, bestehend aus einem so genannten „urbanen Sockel“. Von Kinder-Tagespflege, über Altenpflege, Gemeinschaftsräume und kleine Büros: Hier findet Kommunikation zwischen Gebäude und dem urbanen Raum statt. Das Langhaus öffnet sich zur Stadt. 

Auf dem „urbanen Sockel“ fügen sich verschiedene Wohncharaktere zusammen, die die Diversität der Großstadt wiederspiegeln. Jeder Haustyp bietet Wohnraum für verschiedene Lebensformen und Bedürfnisse. Neben traditionellen Wohnformen (zum Beispiel "gestapelte Reihenhäuser" oder "klassisches Familienwohnen") bietet das Langhaus Raum für neue Wohnformen wie beispielsweise das Cluster-Wohnen für Studierende.

Trotz der vielen unterschiedlichen Wohnformen ist die Fassade einfach und homogen gehalten. Die Individualität drückt sich in der vielseitigen Nutzung hinter der Fassade aus.

Effiziente Planung durch Projekt Sharing

Über 10 Jahre hinweg haben Bernd Kusserow und Karin Damrau durchschnittlich gemeinsam mit 2 Mitarbeitenden an dem riesigen Projekt gearbeitet.

„Wir sind ein kleiner Laden“ – dieser Gedanke prägte den Ausgangspunkt des Projekts. Er steht sinnbildlich für die Überzeugung, dass auch kleine Büros in der Lage sind, große Bauvorhaben erfolgreich umzusetzen.

Über den Zeitraum von zehn Jahren hinweg wurde das Projekt mit Unterbrechungen entwickelt und bearbeitet. In dieser Zeit realisierte das Team ein Bauvolumen von rund 40 Millionen Euro – in den Leistungsphasen 1 bis 7.

Mit Beginn des Projekts wurde deutlich, dass zusätzliche Softwarelizenzen benötigt werden. Gleichzeitig bestand zunächst eine gewisse Unsicherheit im Umgang mit den neuen Anforderungen. Im Rahmen mehrerer Vectorworks-Schulungen wurde erstmals das Arbeiten mit Projekt Sharing eingeführt – ein Ansatz, der anschließend konsequent im gesamten Team umgesetzt wurde.

Alle Mitarbeitenden wurden entsprechend geschult, unabhängig von ihrer Verweildauer im Büro. Auch Studierende, die nur für wenige Monate Teil des Teams waren, erhielten frühzeitig eine fundierte Einarbeitung, um effizient in die Arbeitsprozesse integriert werden zu können.

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Im Projekt selbst wurde mit mehreren Projekt-Sharing-Dateien gearbeitet, ergänzt durch zentrale Masterdateien. Während in den einzelnen Dateien parallel geplant und modelliert wurde, diente die Masterdatei der Zusammenführung und übergeordneten Kontrolle der Inhalte.

Bereits in der Entwurfsphase wurde das Projekt konsequent in 3D aufgebaut. Dies geschah nicht aufgrund externer Vorgaben, sondern aus dem eigenen Anspruch heraus, Planungsprozesse besser zu verstehen und potenzielle Probleme frühzeitig zu identifizieren. Diese Herangehensweise ermöglichte es, Herausforderungen früh zu erkennen und gezielt zu lösen.

Mit zunehmender Projekttiefe, insbesondere in der Ausführungsplanung, stieg auch die Komplexität der Datenstruktur. Die zentrale Masterdatei wurde entsprechend angepasst und in mehrere Einheiten unterteilt, um handlich zu bleiben. Einzelne Projektdateien wurden zusammengeführt, über Ebenen organisiert und in Layouts koordiniert.

Auf dieser Basis entstanden sämtliche Planunterlagen – von Fassaden und Schnitten bis hin zu detaillierten Ausführungsplänen – innerhalb eines konsistenten und strukturierten Gesamtmodells.

Das Projekt zeigt, wie durch klare Organisation, konsequente Schulung und den Einsatz geeigneter digitaler Werkzeuge auch kleine Teams in der Lage sind, komplexe Großprojekte effizient umzusetzen.

Präzision bis ins Detail

Ein besonders komplexes Detail des Projekts: Die Planung der Tiefgaragenrampe innerhalb eines nur 20 Meter schmalen Grundstücks. Die Rahmenbedingungen waren äußerst anspruchsvoll. Seitens der Stadt Köln wurde vorgegeben, dass keine Wartesituation im Straßenraum entstehen darf – die Rampe musste daher zweispurig befahrbar sein. Gleichzeitig standen nur minimale Flächen zur Verfügung, da Vorbauten, Außenwände und weitere Anforderungen berücksichtigt werden mussten. Die Planung bewegte sich entsprechend im Millimeterbereich: eine Fahrradspur, zwei Fahrspuren für Autos – alles auf engstem Raum.

Trotz erteilter Baugenehmigung wurde im weiteren Planungsprozess ein externer Spezialist hinzugezogen, um die Funktionsfähigkeit der Rampe zusätzlich zu überprüfen. Selbst mit spezialisierten Softwarelösungen war die Komplexität der Rampe nur schwer abbildbar. Für die Prüfung musste das Modell vereinfacht und in Teilen aufgeteilt werden. Neben der reinen Verkehrsführung kamen weitere Anforderungen hinzu: Über der Rampe wurde ein Spielplatz geplant, was zusätzliche Aspekte wie Höhenentwicklung, Aufbauten, Substratflächen, Kanten und Absturzsicherungen mit sich brachte.

Durch den frühzeitigen Einsatz von 3D-Modellen in Vectorworks, konnte die Komplexität greifbar gemacht werden und früh ein Verständnis für die räumlichen Zusammenhänge entwickelt werden. 

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Dabei wurde die Rampe in einzelne Segmente unterteilt – nach dem Prinzip der Fragmentierung. Die Überlegung: Eine Rampe lässt sich ähnlich wie eine Treppe denken. Durch iterative Annäherung entstand ein Modell mit 600 Höhenpunkte, das sich als praktikable Lösung erwies.

Besonders hilfreich war die visuelle Arbeitsweise innerhalb von Vectorworks. Durch die grafische Aufbereitung konnten verschiedene Parameter wie Radien, Übergänge und Quergefälle gemäß DIN-Vorgaben präzise entwickelt und überprüft werden. 

Auf Basis dieses Modells war die Umsetzung auf der Baustelle problemlos umsetzbar.

Das Projekt von Damrau Kusserow Architekten zeigt eindrucksvoll, dass komplexe Architektur nicht von der Größe eines Büros abhängt, sondern von der Klarheit der Prozesse, dem Mut zu neuen Arbeitsweisen und dem konsequenten Einsatz digitaler Werkzeuge. Durch strukturierte Zusammenarbeit, präzise Planung und eine hohe gestalterische Haltung konnte ein anspruchsvolles Bauvorhaben effizient und erfolgreich umgesetzt werden.

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ÜBER Damrau Kusserow Architekten
2001 gründeten Karin Damrau und Bernd Kusserow das Architekturbüro Damrau Kusserow Architekten in Köln.
 
Das Projekt Langhaus Braunsfeld wurden auf der polis Convention 2026 in Düsseldorf mit dem 3. Preis des polis Award in der Kategorie „Intelligente Nachverdichtung“ ausgezeichnet, da es zeigt, wie qualitätsvolle Nachverdichtung im Bestand neue urbane Qualitäten schaffen kann. Der polisAward zählt zu den wichtigen Auszeichnungen für Stadt- und Projektentwicklung in Deutschland. Aus rund 160 Einreichungen wählte eine interdisziplinäre Jury die besten Projekte aus, die sich durch innovative, kooperative Ansätze im Umgang mit der Stadt auszeichnen.

 

Darüber hinaus sind Damrau Kusserow Architekten für den Deutschen Bauherrenpreis 2026 nominiert. Für diesen renommierten Preis wurden bundesweit 30 Wohnungsbauprojekte aus insgesamt 176 Bewerbungen ausgewählt. Der Preis gilt als wichtigste Auszeichnung im deutschen Wohnungsbau und würdigt Projekte, die hohe architektonische Qualität mit wirtschaftlicher Umsetzbarkeit verbinden.

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